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Arbeitslosigkeit junger Menschen verhindern

Junge Frau vor dem Computer

136.400 junge Menschen haben für das Ausbildungsjahr 2015/2016 einen Ausbildungsplatz gesucht. Da nur 110.800 Ausbildungsstellen gemeldet waren, gab es eine Ausbildungslücke von 25.600 Stellen. Darauf weist die Freie Wohlfahrtspflege NRW in ihrem neuen Arbeitslosenreport hin und fordert die nordrhein-westfälische Landesregierung zum Handeln auf, zum Beispiel durch regulierende Eingriffe, ausbildungsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen oder die Schaffung von Alternativen zur betrieblichen Ausbildung.

Der Arbeitslosenreport NRW 1/2017 zeigt, dass das Ausmaß der Angebotslücke noch weitaus größer ist, als die 25.600 nicht vorhandenen Ausbildungsstellen. Um realistisch für alle Jugendlichen ein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsplätzen vorzuhalten, wäre ein Ausbildungsplatzüberhang nötig. Bereits seit den 1970er Jahren gilt hierfür ein Richtwert von 12,5 Prozent. Demnach wäre in NRW für das letzte Ausbildungsjahr erst bei einem Ausbildungsplatzangebot von 153.500 Stellen von einer entspannten Lage am Ausbildungsmarkt zu sprechen. Trotz des seit Jahren diagnostizierten Fachkräftemangels ist in vielen Branchen eine notwendige signifikante Erhöhung der Ausbildungsanstrengungen nicht zu erkennen. „Wenn die Arbeitgeber nicht von sich aus endlich für ein ausreichendes Angebot von Ausbildungsplätzen in NRW sorgen, muss über stärker regulierende Eingriffe, wie zum Beispiel eine Ausbildungsabgabe, laut nachgedacht werden“, kritisiert Andreas Johnsen, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW.

Rückgang ausbildungsvorbereitender und -unterstützender Maßnahmen
Der Arbeitslosenreport NRW warnt außerdem davor, dass durch die anhaltende Ausbildungsplatzlücke der Anteil jugendlicher Arbeitsloser ohne Berufsabschluss steigt. Heute haben 68 Prozent der Arbeitslosen unter 25 Jahren in NRW keinen Berufsabschluss, 22 Prozent haben keinen Schulabschluss. Gerade Jugendliche, die Probleme haben, einen Ausbildungsplatz zu finden beziehungsweise eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen, brauchen Unterstützung durch ausbildungsvorbereitende und ausbildungsbegleitende Maßnahmen. Der Arbeitslosenreport NRW stellt aber fest, dass es bei ausbildungsunterstützenden Maßnahmen für Jugendliche einen Rückgang gibt. Vor allem die ausbildungsbegleitenden Maßnahmen sind stark rückläufig. Wurden 2012 noch knapp 28.000 ausbildungsbegleitende Maßnahmen gefördert, waren dies im Zeitraum von 11/2015 bis 10/2016 nur noch knapp 18.750. „Für uns ist dies ein völlig falsches Signal“, so Johnsen. „Solange keine Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt erreicht ist, müssen berufsvorbereitende, ausbildungsbegleitende und -unterstützende Angebote durch die Agentur für Arbeit und Jobcenter in ausreichender Zahl gefördert werden. Nicht versorgte Ausbildungsplatzbewerber benötigen Alternativen, wenn kein betrieblicher Ausbildungsplatz gefunden wird. Schulisch nicht ausreichend qualifizierte junge Menschen brauchen
vorbereitende und auch begleitende Coachingangebote, damit sie eine Ausbildung erfolgreich absolvieren können. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist eine Basis für eine langfristige, qualifizierte und sichere Arbeitsstelle und damit für ein Leben unabhängig von Hartz-IV-Leistungen."

Bessere Förderung der Berufsausbildung junger Menschen im schulischen System gefordert
Die Freie Wohlfahrtspflege in NRW ist mit mehr als 700.000 Beschäftigten in der Kranken-, Alten-, Kinder- und Jugendpflege einer der bedeutendsten Arbeitgeber und Ausbilder und leistet selbst einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Ausbildungssituation. Viele
Verbände und Träger nehmen bewusst gesellschaftliche Verantwortung wahr und bilden über den eigenen Bedarf hinaus aus. Von der Landesregierung erwartet sie neben einer Stärkung der dualen Ausbildung auch eine bessere Förderung der Berufsausbildung junger
Menschen im schulischen System; etwa an Berufsfachschulen, Berufskollegs und Fachseminaren für Altenpflege.

 



 
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