Foto: Bärbel Brengelmann-Teepe und Norbert Klapper vom Paritätischen haben sich das Thema häusliche Pflege vorgenommen.

Paritätischer drängt auf Verbesserungen im Bereich häusliche Pflege

Anlässlich einer gemeinsamen Veranstaltung des Caritas Bildungszentrums für Pflege und Gesundheit Rheine / Emsdetten und des Paritätischen im Kreis Steinfurt im Dezember 2018 betonte Nordrhein- Westfalens Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann, dass künftig häusliche Pflege in zunehmendem Maße erforderlich sei. Die demografische Entwicklung führe die stationäre Pflege an ihre Grenzen. Norbert Klapper, Vorsitzender des Paritätischen im Kreis Steinfurt, mahnte bei der Gelegenheit, die Infrastruktur müsse dann aber entsprechend verbessert, die häusliche von Angehörigen durchgeführte Pflege gestützt werden, bevor sie im Einzelfall kollabiere.  Einiges ist -unter anderem - seitens des Paritätischen diesbezüglich unternommen worden.

Bisheriger Erfolg: fast null. Ein nach wie vor ungelöstes Problem, das unmittelbar mit der häuslichen Pflege zusammenhängt, ist das Fehlen von Kurzzeitpflegeplätzen, und zwar mehr oder weniger landesweit. Fällt die häusliche Pflegekraft aus, gibt’s oft Riesenprobleme. Kein Wunder, dass sich potenziell Betroffene deshalb vorsorglich gleich für die stationäre Dauerpflege entscheiden; gar nicht schön für die Betroffenen und teuer für Angehörige und das System Pflege. Forderung – unter anderem – des Paritätischen, dass alle stationären Pflegeeinrichtungen eine festgelegte Anzahl von Betten für Kurzzeitpflege vorhalten müssen und nicht anderweitig belegt werden dürfen, haben nicht wirklich etwas bewirkt.

Die Landespolitik ist am Zuge. Im Rahmen einer – zeitraubenden – Stichprobe hat der Paritätische am 19. September festgestellt, dass im gesamten Kreis Steinfurt genau zwei Betten für Kurzzeitpflege zur Verfügung standen, eins in Lengerich und eins in Rheine. Zeitraubend war die Aktion, weil man nur vor der Alternative stand und steht, entweder jede einzelne Einrichtung im Kreis anzurufen oder sich im Internet durch die Seiten des „Heimfinder NRW“ zu kämpfen, wo alle entsprechenden Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, nach Kommunen geordnet, aufgeführt sind.


Dabei wurden besagte zwei Plätze im Kreis Steinfurt gefunden. Und wer beispielsweise in Altenberge oder Horstmar wohnt und sein Heil in Münster suchte, kam auch dort nicht weiter: Nicht ein einziger Platz frei. In Deutschlands Krankenhäusern waren dagegen (Stand 17.09.2020) 22.304 Intensivbetten belegt und 8.481 weitere frei. Norbert Klapper: „Wenn die häusliche Pflege plötzlich zusammenbricht, stehen Betroffene vor durchaus vergleichbaren Problemen. Die zurückliegenden Monate haben gezeigt, dass man Verbesserungen erreichen kann, wenn man nur will.“ Abgesehen von den fehlenden Kurzzeitpflegebetten muss aber auch das Auffinden eines freien Platzes – so es ihn gibt - erleichtert werden.

Es reicht eben nicht, dafür eine Internetseite vorzuhalten. Viele Haushalte verfügen über keinen Internetanschluss, und insbesondere älteren Menschen ist der Umgang mit dem Internet vielfach fremd. „Es sollte eine kreisweit einheitliche Telefonnummer geben, bei der freie Plätze erfragt werden können. Der Kreistag ist gefordert,“ so Bärbel Brengelmann-Teepe, Geschäftsführerin des Paritätischen im Kreis. Die Situation häuslich pflegender Angehöriger wird zurzeit im Rahmen einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, an der Norbert Klapper mitarbeitet, untersucht. Er verspricht schon jetzt interessante Ergebnisse.

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Bärbel Brengelmann-Teepe und Norbert Klapper vom Paritätischen haben sich das Thema häusliche
Pflege vorgenommen.